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saar-scene November 09/10

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Boyzone 8 Attacke der

Boyzone 8 Attacke der Prollheten Eine wahre Begebenheit Erschöpft von einer mehrstündigen Shoppingtour schleppe ich kurz nach Ladenschluss sieben Tüten mit Schnäppchenbeute in Richtung Mainzerstraße. Ich bin mit meinem Liebsten in der Madame auf ein Gläschen Feierabends-Lebenselixier, auch bekannt als Crémant Aperol, verabredet. Während ich mir noch überlege, wie ich ihm schonend beibringe, dass ich einen Großteil unseres monatlichen Haushaltsbudgets in so nützliche Dinge wie Hemden, Accessoires und Eau de Parfum investiert habe, kommt er mir schon auf der Straße entgegen. Er sieht meine Tütenschar und grinst. Ein gutes Zeichen! Erleichtert stelle ich Tüten eins bis vier auf der Straße ab, umarme ihn (wobei Tüten fünf bis sieben sanft gegen sein Kreuz schlagen), und wir küssen uns zur Begrüßung. In dem Moment läuft eine Schar männlicher Teenager an uns vorbei, die aus einem mit einem Seifenembargo belegten Vorort zu uns gestoßen zu sein scheinen, und lassen uns ungefragt an ihren Gedanken teilhaben: Einer imitiert überzeugende Kotzgeräusche, ein anderer stößt ein herzliches „Drecksschwule“ zwischen den ungeputzten Zähnen hervor, der Rest stimmt entweder einen Chor mit ähnlich originellem Vokabular an oder kichert einfach nervös vor sich hin. Auch wenn die kleine Begebenheit nicht wirklich beängstigend ist, und ich in knapp anderthalb Jahrzehnten offen schwulen Lebens schon durchaus schlimmere, manchmal auch handfeste homophobe Anfeindungen erfahren habe, gibt sie mir doch zu denken. Wenn ich mein Weltbild extrem abstrahiere, kann ich evtl. im letzten Winkel des Toleranzzentrums meines Gehirnes noch den Hauch der Idee einer Ahnung finden, wie ein solches Verhalten zustandekommen mag. Pubertierende Jungs fühlen sich wahrscheinlich in ihrer sexuellen Selbstfindung und in ihrem aufkeimenden Männlichkeitswahn bedroht und müssen Bei halbwegs intelligenten Vertretern der Spezies männlicher Heterosexueller stellt sich oft irgendwann einen gewisse Sozialkompetenz vor allem ihren Kumpels beweisen, dass sie nicht mal geistig in die Nähe von weibischen, schwachen Schwulen gerückt werden wollen. Bei halbwegs intelligenten Vertretern der Spezies männlicher Heterosexueller stellt sich oft irgendwann einen gewisse Sozialkompetenz und eine damit verbundene Reflexion zum Thema ein. In unseren Breiten endet das häufig mit einer Verhaltensänderung in drei gängigen Abstufungen: Indifferenz, Toleranz und – im besten Fall: der Erkenntnis, dass niemand allein durch die Tatsache bedroht wird, dass sein Gegenüber erotische und Liebesgefühle für Vertreter des eigenen Geschlechts entwickeln kann. Nach meinem, trotz meiner wenigen Lenze nicht ganz unerheblichen Erfahrungsschatz sind Männer, die sich ihrer Heterosexualität sicher sind und ein gewisses echtes Selbstbewusstsein haben, die angenehmsten Zeitgenossen. Oder zumindest haben sie das Potenzial dazu. Und da spielen dann auch sozialer Status und Bildung eine eher untergeordnete Rolle. Das Gleiche gilt übrigens auch für die Vertreter des anderen Lagers. Nichts ist anstrengender als Klemmschwestern, die nach 20 Jahren schwuler Beziehung ihrem Vermieter immer noch erzählen, sie würden in einer WG leben, und alle Heteros als das personifizierte Böse betrachten, sich aber krampfhaft bemühen, alle schwulen Klischees aus ihrem Leben zu verbannen und sie durch aufgesetztes „Hetenverhalten“ zu ersetzen. Klischees sind Klischees, und es gibt sie nicht ohne Grund. Eine ungewaschene Teenagergang, die Schwule beschimpft, erfüllt in meiner Welt ebenso ein Klischee wie ein Südfranzose, der Pastis trinkend unter einer Platane Boule spielt, oder eben ich, der ich vom Shoppingwahn gepackt sieben Einkaufstüten voller unnötiger, aber extrem schicker Dinge vor die Madame schleppe, um dort rot eingefärbten Schaumwein zu trinken! Text: Dan Zing Kwien Bild: JoeEsco/photocase Magazin-Saarscene-05-06.indd 8 27.10.10 23:40

BOYZONE Kinotipps POSTCARD TO DADDY Dokumentarfilm, in dem der Regisseur sein eigenes Kindheitstrauma aufarbeitet: Er wurde über Jahre hinweg von seinem Vater missbraucht. Wie in einem Videotagebuch entfaltet sich das Porträt einer Mittelstandsfamilie, in der das Opfer an Scham- und Schuldgefühlen zu zerbrechen droht. Eine beklemmende Erzählung über Hass und Versöhnung, unüberwindbare Verletzungen und die Notwendigkeit des Weiterlebens, wobei der Filmemacher nicht nachträglich mit dem Täter ins Gericht geht, sondern sich bemüht, die eigene Rolle neu zu bestimmen. Filmhaus Saarbrücken, Freitag, 12. November ab 19 Uhr www.postcard-to-daddy.de Das Fräulein Der Film erzählt von drei Frauen, die aus den verschiedenen Teilen Ex-Jugoslawiens stammen: zwei von ihnen, die eine aus dem serbischen Belgrad, die andere aus Kroatien, haben sich lange bemüht, um nun in der schweizerischen Gesellschaft integriert zu sein. Ihre Wertvorstellungen werden durch die lebhafte, junge Bosnierin Ana erschüttert, da diese den vorsichtigen Lebensstil der beiden in Frage stellt und die Mauern, welche sie um sich aufgebaut haben, zum Bröckeln bringt. Doch Ana trägt ein Geheimnis mit sich, vor dem sie selbst davonläuft... Kino Achteinhalb, Samstag 13. November ab 20 Uhr www.dasfraulein.ch Magazin-Saarscene-05-06.indd 9 27.10.10 23:40

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