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QUEER REGENBOGENFAMILIEN

QUEER REGENBOGENFAMILIEN TEIL IV Im vierten und letzten Teil des Artikels zum Thema „Regenbogenfamilien / schwule Väter“ zeigen wir das Beispiel von Andreas und Jens. Ihre Geschichte ist ein sehr viel positiveres Beispiel, als jene schwierigen Coming-Out-Erfahrungen von Markus und Frank sowie dem verheirateten Vater Helmut. Falls ihr diese verpasst habt, könnt ihr sie jederzeit unter e-paper.popscene.club nachlesen Andreas (42) ist Vater von drei Kindern. Einer Tochter im Alter von 7 sowie zwei Söhnen im Alter von 19 und 11 Jahren. Andreas outete sich im Dezember 2016, nachdem er über 14 Jahre mit seiner Frau und der Mutter seiner Kinder zusammenlebte. 2001 heirateten die beiden anlässlich der Schwangerschaft mit ihrem ersten Kind. Andreas war bereits sehr bewusst, dass er sich zu Männern hingezogen fühlt. Aufgrund der damals noch sehr starken Stigmatisierung Homosexueller, war ein Outing für ihn jedoch nie eine Option. So beugte er sich dem gefühlten gesellschaftlichen Druck und den Erwartungen 16 seiner streng katholischen Familie. So heiratete er die Frau, die „beim Ausprobieren“ wie Andreas selbst sagt, schwanger wurde. Von da an, zelebrierte er nach außen eine glückliche Ehe, mit Zuwachs von insgesamt drei Kindern. Heimlich lebte er seine Sexualität mit Männern aus, nachdem er sein Verlangen nicht mehr unterdrücken konnte. Durch das Internet wurden für ihn attraktive Männer zunehmend präsenter und auch anonym zugänglich. Apps für schwule Männer wie Romeo und Grindr hielten Einzug und ermöglichten sogar diskretes Dating. Als Familienvater war jedoch für Andreas ein Outing nach wie vor gefühlt unmöglich. Von diesem Doppelleben wurde Andreas zunehmend zerrissen und von zunehmenden Gewissensbissen zermürbt. Verdrängung, die in Alkoholsucht mündete war die Folge. Es gelang Andreas sogar seinen Alkoholismus acht Jahre lang vor seiner Ehefrau zu verbergen. Bis er im Jahr 2012 einen schweren Autounfall unter Alkoholeinfluss baute. Diese QUEER

Unfallursache entlarvte schließlich unumgänglich seine Alkoholprobleme und Andreas hatte größte Angst, dass auch seine Homosexualität in der Alkohol-Therapie aufgedeckt wird. Es gelang ihm schließlich weiterhin dies zu verbergen. Gleichzeitig lernte er durch die Therapie, die Gesundung seines Wohlbefindens in den Mittelpunkt seiner Handlungen zu stellen. Also auch Gewissensbisse und Selbstzweifel nicht mehr mit Selbstaufgabe durch Erfüllung der Erwartungshaltung anderer zu kompensieren. Die aus dieser Erkenntnis gereifte Verhaltensänderung führte letztendlich zur Trennung, „weil meine Frau diese neue Person nicht mehr wollte“, so Andreas. So zog seine Ehefrau 2015 mit den beiden jüngeren Kindern aus, der mittlerweile 14-jährige älteste Sohn blieb bei ihm. Auch wenn Andreas zu dem Zeitpunkt sehr traurig war über den Verlust dreier der für ihn damals wichtigsten Menschen, fühlte er sich gleichzeitig sehr befreit, sich selbst von da an uneingeschränkt ausleben zu können. So lernte er 2016 in einer Dating-App Jens, seinen heutigen Ehemann kennen. Mit ihm fühlte sich von Beginn an alles richtig an und Jens wollte auch dann seine Kinder kennenlernen. Jens & Andreas Das war für Andreas der Beginn seines konsequenten Outing-Prozesses. Zuerst offenbarte er sich seinem damaligen Therapie-Kollegen und übte diesen Moment der Wahrheit vorher vorm Spiegel. „Ich bin schwul!“ gestand sich Andreas selbst vorher mehrfach ein und blickte sich dabei selbst tief in die Augen. Danach folgte seine 3 Jahre ältere Schwester und dann sein ältester Sohn. Beim PlayStation-Spielen erzählte er ihm von Jens, was ihm sehr schwer fiel. Sein Sohn reagierte für Andreas verblüffend unerwartet mit den Worten „Papa, wir leben im 21. Jahrhundert!“. Mit dem Rückenwind dieser Selbstverständlichkeit, konnte er es endlich auch seiner damals noch Ehefrau beim Abholen der kleineren Kinder eingestehen. Auch sie reagierte überraschend positiv und Andreas fasste schließlich auch den Mut es seinem noch lebenden Vater zu sagen. Sehr konservativ und katholisch geprägt, war er sichtlich geschockt und reagierte nur mit den Worten: „Dazu sage ich jetzt nichts.“ 17 QUEER

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