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vor 2 Jahren

Lesequickie - Leseprobe regionaler Autorinnen und Autoren

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Fünf Geschichten – eine Region: Nur AutorInnen mit einem besonderen Bezug zu unserer Heimat! Fünf Geschichten – ein Genre: Jede Ausgabe mit einem speziellen Genre - erkennbar an der Banderole! Fünf Geschichten – eine Mission: Beste Unterhaltung für die kleine Pause zwischendurch! Autoren: Carolin Summer - Narrenlauf - Die Weltenwechsler Akten (Band I) Benjamin Spang - Blut gegen Blut Carsten Schmitt - Tadukeh Heike Knauber - Najaden Das Siegel des Meeres Tanja Karmann - Der Mitternachtsladen - Verbundene Welten

verströmte. Während

verströmte. Während sie den Kaffee in eine Tasse goss und Unmengen von Zucker und Milch hineinrührte, fiel ihr Blick auf einen kleinen Tisch vor ihr, von dem ein zauberhaftes (schon wieder dieses Wort!) Glitzern und Leuchten ausging. Es rührte von einer Vielzahl von Blumen und anderen Pflanzen her, die alle aus feinstem Glas gearbeitet waren. Lina trat näher. Es schien, als würden die Blumen leise zu ihrer Begrüßung klingeln, was natürlich Unsinn war, denn wie jedes Kind weiß, können Blumen weder sehen noch sich von sich aus bewegen, selbst wenn sie aus Glas sind. Jede der Figuren war einzigartig und unterschied sich von den anderen. Es gab Blütenblätter in allen Formen und in den verschiedensten Farben: sanft geschwungene Rundungen in zartem Rosa und spitz zulaufende Zacken in kräftigem Rot. Die einzelnen Blüten, Blätter und Stängel waren so filigran gearbeitet, dass Lina befürchtete, ein einziger Windstoß könnte diese Pracht zerstören, und so wich sie achtsam zurück. Ihren Blick von den Blumen zu lösen, versetzte ihrem Herzen einen kleinen Stich, doch in diesem Moment trat die Verkäuferin zu ihr. In der Hand hielt sie ein winziges hellblaues Handtuch. Dankbar nahm Lina das flauschige Stück Stoff. Erstaunt stellte sie fest, dass es zwar wirklich klein war, aber dennoch die Feuchtigkeit sehr gut aufnahm und sie nach kurzer Zeit um einiges trockener war als zuvor. »Danke dir«, sagte sie und gab ihrem Gegenüber das Tuch zurück. »Kein Problem«, antwortete die junge Frau. »Ich mach mich dann mal wieder an die Arbeit. Ich hoffe, du kommst gut nach Hause.« Damit ließ sie Lina allein. Nachdenklich wandte sich nach vorne zur Kasse. Natürlich gab es keine richtige Kasse, zumindest keine mit Kassenband, Warenscanner und automatischer öffnender Lade. Stattdessen befand sich seitlich neben der Ladentür eine Theke, auf der eine nostalgisch wirkende, mechanische Registrierkasse stand, wie man sie oft in alten Filmen sah. Sie war komplett aus einem bronzefarbenen Metall gearbeitet und auf allen größeren Flächen mit verschlungenen Blumenmustern verziert. Auf der anderen Seite entdeckte sie eine altmodische Waage mit zwei Schalen aus Metall an einem Gestell aus Holz. Am Fuß des Ständers waren fein säuberlich mehrere Gewichte verschiedener Höhe und Dicke aufgereiht. An der Wand hinter der Kasse war ein langes Regalbrett angebracht, auf dem mehrere Kistchen aus Blech standen. Unmittelbar darunter entdeckte Lina ein Schlüsselbrett, an dem viele unterschiedlich große und verschieden geformte Schlüssel hingen sowie mehrere Bilderrahmen mit Fotografien von Menschen, die meisten in schwarz-weiß. Alles wirkte nostalgisch wie an einem Filmset oder in einem dieser Erlebnisparks, in denen Häuser aus verschiedenen Epochen nachgebaut wurden. Eigentlich, dachte Lina, fehlen nur noch die … Da standen sie ja: Bonbongläser! Groß, bauchig und mit einem hellen Korken, gefüllt mit Zuckerstangen, Keksen und Karamellbonbons. Neben den Gläsern lag in einer Pappschachtel eine Auswahl in Papier verpackter Riegel – Schokoriegel, wie Lina vermutete – auch wenn diese vom Aussehen her nicht mit den allgemein an Supermarktkassen ausliegenden Süßigkeiten vergleichbar waren. Aber Schokolade bleibt Schokolade, dachte Lina, nahm sich einen der Riegel aus der Schachtel und legte ihn auf den Tresen. Hinter der Theke stand ein älterer Herr, der sich bislang über ein kleines Notizbuch gebeugt hatte, und sie jetzt freundlich ansah. Der Mann, den Lina auf etwa Mitte fünfzig schätzte, passte perfekt in die Szenerie: Er trug eine Hose aus braunem Cord mit einem passenden Jackett über einem hellen Hemd mit leichtem Streifenmuster. Das Hemd war nicht nur bis oben zugeknöpft, der Kassierer trug sogar eine Fliege, wenn auch nicht ganz ordentlich. Sein graues Haar stand etwas störrisch in alle Richtungen von seinem Kopf ab. Er blickte Lina mit warmen Augen an. »So spät noch unterwegs?«, fragte er mit einer angenehm tiefen Stimme. »Ich hatte eine Autopanne«, erwiderte Lina und legte einen 5-Euro-Schein auf den Tisch.

»Könnte ich bei Ihnen telefonieren? Meine Mutter könnte mich hier abholen.« Der Mann hinter der Kasse schüttelte bedauernd den Kopf. »Tut mir leid, wir haben hier kein Telefon.« Er machte eine kurze Pause. »Noch nicht, meine ich. Die Anschlüsse sind noch nicht verlegt. Aber habt ihr jungen Leute von heute nicht alle so ein Mobiltelefon?« Lina seufzte. »Doch«, antwortete sie, »aber das dämliche Ding hat genauso den Geist aufgegeben wie mein Auto. Hier, sehen Sie, das Display ist einfach tot.« Mit diesen Worten zog Lina ihr Handy aus der Tasche und hielt es dem Mann vor die Nase. Das Handy gab einen kurzen Piepston von sich, dann erschien der leuchtende Schriftzug des Netzbetreibers auf dem Bildschirm. »Sieht so aus«, sagte der Mann mit einem Augenzwinkern, »als wäre alles wieder in Ordnung.« Lina starrte immer noch fassungslos auf das Gerät in ihrer Hand. »Das gibt es doch nicht«, stammelte sie. »Ich … also, ich meine … ich habe doch immer wieder versucht, es einzuschalten.« Sie nahm ihr Wechselgeld und griff nach dem Schokoriegel. Als ihre Hand das Papier berührte, glaubte sie, ein kurzes Kribbeln zu spüren. Überrascht blickte sie hoch und ihr Blick begegnete dem des Ladenbesitzers. »Eine gute Wahl«, sagte er und sah unverwandt in Linas Augen. »Ich bin sicher, die Schokolade wird dir helfen.« »Danke«, sagte sie, riss sich von dem intensiven Blick los und wandte sich dem Ausgang zu. Kurz vor der Tür drehte sie sich noch einmal halb um. »Einen schönen Laden haben Sie hier«, meinte sie etwas schüchtern. »Viel Erfolg damit. « Damit zog sie die Tür auf und trat hinaus in die Nacht. Durch das Glas konnte der Mann beobachten, wie Lina im matten Schein, der aus den Fenstern fiel, ihr Handy aufklappte, einige Tasten drückte und mit jemandem sprach. Kurze Zeit später erhellten zwei Scheinwerfer den Parkplatz vor dem Gebäude. Lina öffnete die Beifahrertür und verschwand im Inneren des Wagens, nicht ohne noch einen Blick auf das Haus geworfen zu haben. Dann waren Lina und der Wagen verschwunden und die Dunkelheit kehrte zurück. Als der Mann sich wieder seinem Notizbuch zuwandte, lächelte er. Hat‘s dir gefallen? Buchtitel: Verlag: Der Mitternachtsladen. Verbundene Welten. fehu fantasy ISBN: 978-3961310654 Cover leuchtet im Dunkeln!

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