Der POPSCENE E-Paper Kiosk


Swipe dich durch unsere kostenlosen E-Guides und erlebe Deine Region! Neben POPSCENE findest du hier interessante Broschüren, Leseproben, Magazine aus den Bereichen Tourismus, Kultur, Unterhaltung - multimedial, angereichert mit Fotos, fesselnden Videos und unterhaltsamen Audioclips, für einen faszinierenden Überblick über unsere Region.

Aktuell im POPSCENE E-Paper Kiosk

Aufrufe
vor 1 Jahr

Leseprobe: Die Schmetterlinge ... und die anderen (Léo Breda)

  • Text
  • Schaute
  • Augen
  • Wirklich
  • Kopf
  • Vielleicht
  • Junge
  • Paar
  • Mann
  • Bisschen
  • Giancarlo
Für Britta Neumann hieß leben, mal die Würfel entscheiden lassen, mal Münzen werfen. Doch das ist zwanzig Jahre her. Aber als eine Stimme am Telefon sie daran erinnert, dass dieses Gesicht, das heutzutage alle von ihr kennen, nicht immer das Ihrige war, kommt das Spiel in den ruhigen Gassen ihrer Wahlheimat Frankfurt wieder in Fahrt. Sie weiß, dass sie dieses Mal nichts gewinnen kann und sogar alles verlieren könnte. „Die Schmetterlinge … und die anderen“, aus dem Französischen von Anni Sima-Ducree, verschreibt sich einer neuen Strömung des Roman Noir. Man schmunzelt, man lacht, dann taucht man mitten in spannungsgeladene Intrigen, wo die Grausamkeit der einen mit der Hinterlist der anderen wetteifert. Taschenbuch: 336 Seiten Verlag: FATHER OF SUN (8. Juli 2018) Sprache: Deutsch ISBN-10: 2954871784 ISBN-13: 978-2954871783

konfrontieren,

konfrontieren, die ich fein säuberlich für den Abend beiseite geschoben hatte. Langsam aber sicher verloren die guten Erinnerungen, die ich an Giancarlo behalten hatte, ihren Glanz. Ich hatte mich ihm anvertraut und wahrscheinlich dachte er mir einen großen Dienst zu erweisen, indem er angeblich mein Problem lösen ließ. Allerdings hatte ich immer noch keine Nachricht von Sabine und daher keinerlei Gewissheit über sie. Doch dessen ungeachtet hielt ich die Dokumente, die sie gegen mich besessen hatte, in der Hand und das war schon mal nicht schlecht. Aber waren sie komplett? Und wer außer mir hatte sie einsehen können? Ich hatte eine Telefonnummer, um Giancarlo zu kontaktieren aber zwischen den Zeilen lesend, verstand ich, dass er nicht unbedingt wollte, dass ich sie benutze. Alles in Allem: Waren meine Probleme gelöst? Ja oder vielleicht, das heißt: Nein! Ich hatte einst bewiesen, ein wahrer Künstler der Vogel Strauß Methode zu sein. Ich hatte schon so viele Dinge ausgelöscht, von denen ich nichts mehr wissen wollte, das könnte ich ohne Weiteres wiederholen. Es lag mir durchaus. Aber heutzutage war daran nicht mehr zu denken. Ich beabsichtigte mich mit all diesen Fragezeichen zu attackieren und jedem den Hals umzudrehen. Aber nur mit Maulaffen feilhalten war das nicht zu bewältigen. Die nächtlichen Spazierfahrten mit Zac waren echte Sauerstoffspritzen. Ich wollte jedes Mal so spät wie möglich zurückkehren, obwohl ich wusste, aufgeschoben ist nicht aufgehoben, denn meine Sorgen erledigten sich natürlich durch meine Abwesenheit nicht von selbst. Sie warteten treu und brav auf mich. So drehte ich mich um, ging zum Schrank, holte mein großes Sorgenpaket heraus und breitete es auf dem Couchtisch aus. Ich war bis zum Hals in die Geschäftsbücher versunken, auf der Suche nach irgendeinem hoffnungstragenden Hinweis, als es an der Tür klingelte. Um elf Uhr abends ... Das musste Herr Spillner sein, mein Nachbar von unten. Er konnte schlecht laufen, aber der Alte war weder taub noch blind; vermutlich hatte er mich nach Hause kommen gehört und stieg hoch, mich zu fragen, ob ich ihm zufälligerweise bis morgen mit einem Liter Öl oder drei Stück Zucker aushelfen könnte oder vielleicht wollte er mit mir über ein sensibles Thema, das er gerne bei der nächsten Eigentümerversammlung besprechen würde, reden. Rentner, die können sich alles erlauben. 205

Ich nahm meine Lesebrille ab, legte meinen Stift aus der Hand und ging die Tür öffnen. Trotzdem hakte ich aus reiner Gewohnheit die Türkette ein. Dies war nicht Herr Spillner. Ein Unbekannter stand vor meiner Wohnungstür — was nutzt eine Sprechanlage, wenn irgendwer in Ihr Haus eindringen und frei durch die Stockwerke spazieren kann? Dies wäre vielleicht eine Frage für die nächste Hauptversammlung ... »Guten Abend der Herr ...« Mein Gegenüber hatte ein sehr junges Gesicht. Er müsste höchstens zwanzig sein. Er war ein paar Zentimeter größer als ich und sein an den Schultern etwas zu großer Blouson, ließ ihn fast schmächtig aussehen. »Britta Neumann? ...« »Höchstpersönlich. Um was geht’s?« Der Mann grinste mich in einer Art an, die mir nicht gefiel. »Um Sie. Beziehungsweise um uns. Ich bin hier, damit Sie sich für unsere Dienste erkenntlich zeigen können.« »... Was meinen Sie? Wer sind Sie?« »... Ein Freund. Wir sind bei Herr Nguyen gewesen. Er hat uns versichert, Ihnen das Paket übergeben zu haben.« Ich hab’s genau gewusst! Ich hätte darauf wetten können. Wenn dieser Kerl die Lotterie gewesen wäre, wäre ich jetzt Millionärin. »Darf ich einen Moment reinkommen? Es wird nicht lang dauern.« Ich war plötzlich bleich, gelähmt. Ich schätzte die Situation schnell ein: Ich konnte gänzlich ablehnen zu kooperieren und gegenüber diesem einen jungen Mann würde ich mich gut und gerne verteidigen können. Aber auf eine Million waren die Chancen, dass es um einen Kampf auf Augenhöhe ginge, gleich null. Femi hatte behauptet, dass für einen Menschen, der sich auf ein betrügerisches Unternehmen einlässt, isoliertes Handeln dem Laufen auf heißen Kohlen entsprach. Dies erschien mir zur Stunde logisch. Und wenn ich an dieser Theorie festhielt, müsste ich daraus ableiten, dass dieser Junge bestimmt kein Einzelkämpfer war, denn er wirkte auf mich vollkommen ruhig und seiner selbst sicher. Sollte ich ihm eine Abfuhr erteilen, würde er später mit seinen Komplizen angerückt kommen, 206

E-Paper Kiosk "Erlebe Deine Region"

POPSCENE - Das total umsonste Popkulturmagazin

POPSCENE News