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Leseprobe: Die Schmetterlinge ... und die anderen (Léo Breda)

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Für Britta Neumann hieß leben, mal die Würfel entscheiden lassen, mal Münzen werfen. Doch das ist zwanzig Jahre her. Aber als eine Stimme am Telefon sie daran erinnert, dass dieses Gesicht, das heutzutage alle von ihr kennen, nicht immer das Ihrige war, kommt das Spiel in den ruhigen Gassen ihrer Wahlheimat Frankfurt wieder in Fahrt. Sie weiß, dass sie dieses Mal nichts gewinnen kann und sogar alles verlieren könnte. „Die Schmetterlinge … und die anderen“, aus dem Französischen von Anni Sima-Ducree, verschreibt sich einer neuen Strömung des Roman Noir. Man schmunzelt, man lacht, dann taucht man mitten in spannungsgeladene Intrigen, wo die Grausamkeit der einen mit der Hinterlist der anderen wetteifert. Taschenbuch: 336 Seiten Verlag: FATHER OF SUN (8. Juli 2018) Sprache: Deutsch ISBN-10: 2954871784 ISBN-13: 978-2954871783

[Kapitel 14 –

[Kapitel 14 – Bedienung in begriffen] -Britta wurden Sabines ehemalige Geschäftsaufzeichnungen übergeben und beim Durchblättern der Seiten entdeckt sie sich selbst wieder. (…/…) Das Paket war eigentlich ein großer Umschlag aus Packpapier mit viel von diesem Klebeband, das man für Umzugskartons verwendet, eingewickelt. Seitdem ich ihn geöffnet hatte, stand ich ungläubig da und wagte kaum den Inhalt weiter zu untersuchen. Dann fingen meine Hände an mechanisch eines der zwei Geschäftsbücher durchzublättern; die Dokumentationen des Jahres 1987/88, die des Jahres 1989, in dem ich mich ausgeklinkt hatte, erst einmal außer Acht lassend. Sabine hatte darin alles mit Akribie, in minikleiner doch lesbarer Schrift und jeder Menge Abkürzungen, aufgelistet: Datum, Kundenname, Leistung, Dauer, Betrag, Name des Mädchens ... Alles! Ich erfuhr aus dem relativ dürftigen Tätigkeitsbericht, in Verbindung mit Lauras Namen, dass sie nur eine Stippvisite in das Metier gemacht hatte und das freute mich für sie. Und während meine Augen der Chronik einer gewissen Jasmin folgten, entdeckte ich mich selbst wieder. Stimmt, ich war dieses Mädchen gewesen. Kein verlorenes Mädchen, nur eine junge Frau, auf der Suche nach etwas, das sie nie fand. Es war mir noch nicht einmal schwer ums Herz. Ich war weder traurig noch froh. Mit ernüchtertem Blick kam mir ein ehemaliges Ich wieder ins Bewusstsein. Ah! 25.04.1988 ... Thomas Alexander: Dom-Duo, Abend + Opt Nacht kpl ... Den hatte ich völlig vergessen. Den Franco-Schweizer! Er lebte in Paris; ein Rechtsorientierter, junge, dynamische, Führungskraft, in den Dreißigern, betucht. Er war geschäftlich in Zürich unterwegs, und der Kerl wollte die Puppen tanzen lassen, um dem Pech zu entrinnen, bevor es zurück nach Hause ging; sein Favorit war gerade im ersten Wahlgang in Frankreich gegen den Sozi baden gegangen ... Mitélin ... Mittémon? ... Mitterand! Oder irgendsowas. Aber anscheinend glaubte er immer noch felsenfest, dass nicht alles gelaufen war. Er hatte uns, Gina und mich, für den Abend gebucht, um ... seinen Stress abzubauen. Wir hatten uns mit ihm in seinem Hotelzimmer getroffen und er hatte gleich den Ton angegeben. Er hatte gesagt, er wolle uns beide ficken,

is der Arzt kommt! In solchen Fällen war ich noch erleichterter, dass meine Freundin und ich ein eingespieltes Team waren, denn sie hatte, im Vergleich zu mir, schon viel Erfahrung in dem Metier, es machte ihr nichts aus, dass ich mich ein wenig auf sie verließ. Sie übernahm gerne die Frenetischen und ich mischte eher für das Horsd’œuvre mit und legte letzte Hand an. Und genau so war es an diesem Abend abgelaufen. Ich hatte den Galan als Leckerbissen großzügig mit der Zunge verwöhnt und Gina löste mich praktisch ab, solange der Herr meinte, er wäre stark genug, die ganze Welt durchzuvögeln. Man muss zugeben, er stand voll im Saft, der Lustmolch. Aber er wusste nicht, mit wem er es zu tun hatte. Gina hat ihn schlichtweg ausgepresst, den Armen! Und als ich daran glauben musste, hatte sich der Tiger in ein Katerchen verwandelt. Immerhin war ich ihm gegenüber sehr reizend gewesen. Mmh ... Ach schau! Der war ein Sonderfall: David Gröneberg; Bankier aus Genf. Er war mein regelmäßigster und auch mein letzter Kunde gewesen. Er mochte sehr gerne die Spielchen mit seinem Gürtel. Er war nett aber ein bisschen seltsam; er nahm mich immer in der Hündchenstellung und berührte mich dabei nie mit den Händen. Er wollte immer, dass ich ihm zusah, wie er sich auszog, sich ein wenig selbst stimulierte und dann legte er mir von hinten seinen Gürtel um die Taille und nahm mich ausdauernd auf allen vieren auf dem Bett. Mindestens waren die Hotels, in die er mich mitnahm, stets sehr angenehme Lokalitäten, wo das Personal gleichermaßen viel Wert auf Herzlichkeit wie auf Diskretion legte und jedes Mal wählte er einen anderen Ort. Er war ein spezieller Kunde für mich und als solchen behandelte ich ihn auch. Deshalb organisierte ich mich entweder so, dass ich niemanden nach ihm hatte oder ich richtete mir genug Spielraum zu meinem nachfolgenden Kunden ein, damit ich mich nicht hetzen musste, nachdem wir fertig waren. Er hatte eine Art Ritual eingeführt; nach einer ausgiebigen Dusche wollte er immer, dass wir uns nackt auf dem Bett ausstreckten und Champagner tranken. Das Wichtigste für ihn war, das Gefühl zu haben, seine Freundin würde ihn begleiten. Er mochte die Vorstellung, all das wäre vertraulich, privat. Und so war es in gewisser Weise mit der Zeit geworden. Mit ihm musste ich immer aufpassen, nicht zu viel zu bechern. Abgesehen von den seltenen Malen als ich hinterher ein oder mehrere 193

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