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Leseprobe: Die Schmetterlinge ... und die anderen (Léo Breda)

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Für Britta Neumann hieß leben, mal die Würfel entscheiden lassen, mal Münzen werfen. Doch das ist zwanzig Jahre her. Aber als eine Stimme am Telefon sie daran erinnert, dass dieses Gesicht, das heutzutage alle von ihr kennen, nicht immer das Ihrige war, kommt das Spiel in den ruhigen Gassen ihrer Wahlheimat Frankfurt wieder in Fahrt. Sie weiß, dass sie dieses Mal nichts gewinnen kann und sogar alles verlieren könnte. „Die Schmetterlinge … und die anderen“, aus dem Französischen von Anni Sima-Ducree, verschreibt sich einer neuen Strömung des Roman Noir. Man schmunzelt, man lacht, dann taucht man mitten in spannungsgeladene Intrigen, wo die Grausamkeit der einen mit der Hinterlist der anderen wetteifert. Taschenbuch: 336 Seiten Verlag: FATHER OF SUN (8. Juli 2018) Sprache: Deutsch ISBN-10: 2954871784 ISBN-13: 978-2954871783

Hühnchen zum Befummeln

Hühnchen zum Befummeln haben.« »Oh nein, nein! Lass ihn mir, bitte! Ich habe heute noch nicht groß abgesahnt. Die Kleine, sie kann ruhig den Nächsten nehmen ...« »Mann, das ist mir wurscht. Geh, probier dein Glück. Und du, schau gut zu was sie macht. Du kannst dir eine Scheibe davon abschneiden, denn der Nächste ist diener. Wird Zeit, dass du dich ein bisschen locker machst…« Und es gab auch die Fälle, wo unser Besucher nicht nur völlig unbekannt, sondern auch ziemlich schnuckelig war; wie eine unerwartete Gnade des Allerhöchsten, um etwas Balsam für die Seelen der Schar von Sünderinnen, die wir bildeten, zu bringen. In der Regel blieb er einen Moment unter der Tür stehen, bis er sich an das gedämpfte Licht gewöhnt hatte, das eigentlich unsere Makel kaschieren und uns noch attraktiver machen sollte. Dann überflogen seine Augen das Menü, während ihn der ganze Hühnerstall von Kopf bis Fuß eingehend musterte: »Mmh ... Gar nicht so schlecht der Neue! ... Endlich Frischfleisch!« »Wer geht zuerst?« »Eh, Mädels! Ich wette mit euch um eine Flasche, dass ich den da direkt ins Separee schleppe. Er hat keine Chance sich meinem Charme zu entziehen. Er riecht nach Champagner. Mmh, lecker!« » Nee, nee! Das ist viel zu einfach. Du musst das innerhalb von fünf Minuten hinbekommen, sonst zählt es nicht.« »Hey! Sie! Können’s nicht lesen? ... Sie haben einen Bart? Sie sind ein Mann? ... Nein! Hopp, hopp! Raus hier!« Na schön! Zumindest war es klar und deutlich; ich war in diesem Haus nicht willkommen. Angewidert kam mir der Gedanke, dass dieser Ort ebenso wie das Pussy Bell vollkommen frauenfeindlich war. Die donnernde Stimme des Hausherrn hatte mich in null Komma nichts aus meiner Träumerei gerissen. Haargenau wie wir damals, drehten sich alle in meine Richtung und warfen mir einen vernichtenden Blick zu — die Tatsache eine Frau zu sein, verlieh einem hier absolut keinen Vorteil, ganz im Gegenteil. Der junge Mann, der mich angefahren hatte, wedelte mit der Schere in seiner Hand durch die Luft, als wolle er damit seine Mitarbeiter und Kunden darauf hinweisen, dass er sich um das Problem kümmerte. Mit wutentbran- 141

nter Miene stampfte er die drei Stufen hoch und traf mich auf der kleinen Treppe, wo ich mich ganz klein machte. Beim Anblick seiner gerunzelten Stirn und seines verschlossenen Gesichts, hautnah vor mir, hatte ich fast Angst, dass er handgreiflich werden würde. »Ähm, Verzeihung ... Ich wollte nur ...« »Was? Was gibt’s? Was sagn Se? ...« An seiner Statur, ungeachtet seines Nikolausbartes, sah man ganz gut, dass es ein junger Mann war; vermutlich um die fünfundzwanzig. Trotzdem beeindruckte er mich mit seinen Tätowierungen, wie er Muskeln spielen ließ und mit mir wie zu einem Hund sprach. Das große Tohuwabohu, das Sabine unlängst in meinem neuen Leben verursacht hatte, war wohl dafür verantwortlich; denn im Gegensatz zu meinen sonstigen Gewohnheiten, war ich nicht schlagfertig. Ich konnte nicht anders, als mich wie ein tapsiger Tölpel anzustellen, ohne die Courage zu haben, ihm Kontra zu geben. »Also? Sie wollen? ...« Ich schaffte es geradeso mit dem Finger auf einen Mann zu deuten; genau dieser, mit dem mein liebenswürdiger Gastgeber beschäftigt war, kurz bevor er mir an die Gurgel sprang, dieser, dessen Gesicht er behutsam mit einem weißen Frotteehandtuch bedeckt hatte, der einzige der keinerlei Reaktion erkennen ließ. Das Spektakel, das mein Eindringen in das testosteronschwangere Heiligtum verursachte, schien ihn nicht zu tangieren. Er blieb völlig unbeteiligt, halb liegend auf einem bequemen Loungesessel und rührte seinen Allerwertesten kein bisschen, der Kerl, als würde er ein Nickerchen machen. Entsetzt schaute der junge Mann meinem Fingerzeig hinterher. Er schnellte mit einem Satz in die Arena hinab und zog seinem Kunden unwirsch das Handtuch vom Gesicht. Dieser fuhr hoch, als wäre er auf frischer Tat beim Kartenbetrug erwischt worden. »Fem! Die Maus, ist das deine?« Femi schoss wie eine Sprungfeder in die Höhe, bezahlte bar auf die Kralle für die Pflege, die seiner Haarpracht angediehen wurde, stammelte im Vorbeigehen eine vage Entschuldigung, mit Müh und Not dem überaus verärgerten Blick seines Hausherrn mit flinkem 142

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