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vor 8 Monaten

Leseprobe: Die Schmetterlinge ... und die anderen (Léo Breda)

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  • Giancarlo
Für Britta Neumann hieß leben, mal die Würfel entscheiden lassen, mal Münzen werfen. Doch das ist zwanzig Jahre her. Aber als eine Stimme am Telefon sie daran erinnert, dass dieses Gesicht, das heutzutage alle von ihr kennen, nicht immer das Ihrige war, kommt das Spiel in den ruhigen Gassen ihrer Wahlheimat Frankfurt wieder in Fahrt. Sie weiß, dass sie dieses Mal nichts gewinnen kann und sogar alles verlieren könnte. „Die Schmetterlinge … und die anderen“, aus dem Französischen von Anni Sima-Ducree, verschreibt sich einer neuen Strömung des Roman Noir. Man schmunzelt, man lacht, dann taucht man mitten in spannungsgeladene Intrigen, wo die Grausamkeit der einen mit der Hinterlist der anderen wetteifert. Taschenbuch: 336 Seiten Verlag: FATHER OF SUN (8. Juli 2018) Sprache: Deutsch ISBN-10: 2954871784 ISBN-13: 978-2954871783

später, steif wie ein

später, steif wie ein Brett, vor meinem Briefkasten zu stehen. Ich zögerte ihn zu öffnen, fürchtend eine schreckliche Nachricht vorzufinden, etwas das mich umhauen würde. Nichtsdestotrotz leerte ich ihn. Es waren einige Werbeprospekte darin, obwohl ich neben dem Briefkastenschlitz einen gut sichtbaren Aufkleber platziert hatte, der ausdrücklich daraufhinwies: Keine Werbung! Danke. Außerdem entdeckte ich einen Briefumschlag ohne Adressat und Absender. Hektisch schaute ich nach hinten, um sicher zu sein, dass mich niemand beobachtete. Ich konnte nicht warten den Umschlag aufzumachen und zerfetzte auf der Stelle, mit nervösen Fingern das Papier. Das Erste was ich sah, war das Foto. Komischerweise blieb mein Blick an unbedeutenden Details hängen; die Farbe des BHs passte nicht ganz zu der des Höschens. Und ich erinnerte mich in der Tat, wegen einer Laufmasche in einem meiner Nylons, musste ich improvisieren und mir nur für die Fotoaufnahmen, ein neues Paar von Gina leihen. Sie waren anthrazit und nicht schwarz, wie der Rest meiner Kleidung. Ich entsinne mich auch, dass ich die Idee mit dem zinnoberroten Korsett verworfen hatte; ich hielt es für zu übertrieben. Ich hatte mich schlussendlich für schlicht entschieden: Balconett-BH, G-String, Nylonstrümpfe, Strapse und hochhackige Schuhe. Die feinen, schwarzen Dessous bildeten einen Kontrast zu meiner, mittels künstlicher Sonne, frisch gebräunten Haut; alle diese Details hatte ich in den Tiefen meines versehrten Gedächtnisses vergraben. Selbst nach all den Jahren fand ich mich auf dem Schnappschuss ziemlich präsentabel; vielleicht ein bisschen zu dünn aber ich hatte noch nie viel auf den Rippen. Ich hatte keine eindeutigen Posen eingenommen. Ich saß auf einem Stuhl, Beine übereinandergeschlagen, mit manikürten Händen und lächelte. Ich las noch einmal den kleinen Einleitungstext, den Sabine zu meinem Profil ausgetüftelt hatte: Ich heiße Jasmin. Ich bin eine kleine sexy Katze von sechsundzwanzig Jahren. Ich mag zärtliche und fantasievolle Männer, die wissen, wie sie meinen Körper, einer Kindfrau, liebkosen. Ich mag erotische Massagen zu geben und Zungenspiele sind meine Spezialität. Analverkehr bekommst du bei mir nicht, aber ... viel Erregenderes. Wenn du willst, kann ich auch mit einer Freundin zu dir 121

kommen. Du kannst uns zuschauen, wenn wir uns gegenseitig oral verwöhnen (69). Du kannst gerne bei uns mitspielen, wenn du es wünschst und mich in allen Positionen nehmen. Nur geschützter Verkehr. Ich freue mich dich kennenzulernen. Leidenschaftliche Küsse. Deine Jasmin. Ich kam mit Beinen wie Blei zurück in die Wohnung. Schon klingelte das Telefon erneut. »Deine Adresse ausfindig zu machen war nicht einfach; dein richtiger Name ist furchtbar banal und ich musste eine Auswahl treffen. Aber wir haben uns endlich wieder gefunden.« »Ss ... Sabine? ...« »Ah! Siehst du? Deine Erinnerung kommt zurück. Du erkennst meine Stimme wieder. Das ist gut, denn du wirst mir ein wenig helfen müssen.« »Was? Moment! Womit soll ich Ihnen helfen? Und warum ich?« »Warum du? Zu guter Letzt fast zufällig. Das hat sozusagen das Schicksal entschieden. Ich habe die Liste meiner fünf besten Goldesel aus der Glanzzeit aufgestellt und du gehörst dazu. Aber die anderen Mädchen müssen entweder geheiratet oder Deutschland verlassen haben, denn es ist mir nicht gelungen, ihre Spuren zurückzuverfolgen. Bei dir war ich erfolgreicher. Mein Anliegen an dich, ist nichts sonderlich Kompliziertes, keine Panik.« »Ich glaube, dass Sie sich für etwas halten, was Sie nie gewesen sind. Ich habe nie für Sie gearbeitet, sondern mit Ihnen. Es war nur eine Kooperation. Somit verstehe ich nicht, wie ich Ihr Goldesel gewesen sein könnte. Weder ich noch eins der Mädchen, die mir über den Weg gelaufen sind, haben je einen Zuhälter gehabt. Wir waren Mitglieder Ihrer Agentur. Das war’s!« »Jasmin, komm ... Machen wir keine Wortspielereien. Wenn du machst was ich dir sage, kannst du weiterhin dein neues Leben genießen und ich werde keine Leiche aus deinem Keller holen. Aber wenn du dich weigerst, ... werde ich dein Gedächtnis auffrischen müssen und gleichzeitig dafür sorgen, dass deine Geheimnisse für alle Leute um dich herum gelüftet werden. Das kann Schwierigkeiten bereiten ... Du weißt genauso gut wie ich, dass es besser wäre, einige Episoden aus deiner Vergangenheit nicht auszugraben. Das 122

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